Aufgabe: Gestalte ein Monatsbild für einen Kalender. Suche dazu ein passendes Gedicht.
Technik: Linoldruck
Klassen: 8 – Schuljahr 2021/2022
Kunstlehrerin: Senne Simon

JANUAR

Der Januar – Erich Kästner

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

FEBRUAR

Fastnacht – Wolfgang Müller von Königswinter

Lust’ge, lust’ge Fastnachtszeit!
Heute jubeln alle Leut’,
Heute sind wir alle toll,
Alle bunter Scherze voll.

Zieht die Schellenkappen um,
Hänget bunte Kleider drum!
Keiner kennt uns mehr heraus:
Welt ist wie ein Narrenhaus.

Räuber kommen wild heran,
Ritter reihen stolz sich dran,
Die Zigeuner fehlen nicht,
Schäfersmann ist jener Wicht.

Aus Tirol kommt der Gesell,
Jener aus dem Land des Tell.
Wenn ich doch ein Türke wär’!
Seht, dort trollt sogar ein Bär!

Auf der Geige auf dem Baß,
Auf der Flöte spielt der Spaß.
Kunterbunten Maskenscherz
Treiben froh wir allerwärts.

Lust’ge, lust’ge Fastnachtszeit!
Heute jubeln alle Leut’,
Heute sind wir alle toll,
Alle bunter Scherze voll.

MÄRZ

Im März – Emanuel Geibel

Es ist mir eben angetan,
Zwei schöne Augen sahn mich an,
Und in den süssen feuchten Schein
Blickt’ ich zu tief, zu tief hinein.
Mir schwirrt der Kopf, mir glühn die Wangen,
Und nun kommt draussen der Lenz gegangen
Über die Hügel, über den Fluss,
Die Schwalbe zwitschert ihren Gruss,
Die Wolken ziehn und zwischendrein
Fliesset der lichte Sonnenschein,
Und aus dem klar vertieften Blau
Säuselt es linde, weht es lau,
Man meint, die Veilchen sind schon da.
Das ist ein sehnsuchtsvolles Weben,
Ein heimlich Locken und Leben
Allüberall, fern und nah.
Und du, mein Herz, wirst nie gescheidt,
Lässest so willig dich verführen,
Öffnest der Sehnsucht Tor und Türen;
Von Liebes-Freud und Leid
Singest du Lieder,
Und bist so froh, bist ganz so töricht wieder,
Als wie in deiner jungen Zeit.

APRIL

Der April ist schrill – Monika Minder

Der April ist schrill,
er will
ein Spiel,
das heisst so viel wie:
Ich weiss schon, was ich will,
deshalb heiss ich ja April.

MAI

Mailied – Ludwig Hölty

Der Anger steht so grün, so grün,
Die blauen Veilchenglocken blühn,
Und Schlüßelblumen drunter,
Der Wiesengrund
Ist schon so bunt,
Und färbt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der May gefällt,
Und freue sich der schönen Welt,
Und Gottes Vatergüte,
Die diese Pracht
Hervorgebracht,
Den Baum und seine Blüthe.

JUNI

Juni – Erich Kästner

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

JULI

Sommer – Johann Wolfgang von Goethe

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

AUGUST

Inserat im August – Theodor Storm

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Womöglichst insoweit sich zu beschränken,
Daß sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

SEPTEMBER

Im September – Hanna Schnyders

Im September, im September,
da wird das Wetter sich verändern.
Da kommen Wespen, Mücken und Co,
und nerven uns mit ihrem Gesurr im Ohr.

Im September, im September,
da lachen Sonnenblumen aus Gartenrändern.
Da ist der Roggen reif und der Weizen,
und bald schon muss man heizen.

OKTOBER

Herbstlied – Freiherr Johann Gaudenz

Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube,
Aus dem Rebenlaube,
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche mit Streifen
Rot und weiß bemalt.

Sieh! Wie hier die Dirne
Emsig Pflaum¹ und Birne
In ihr Körbchen legt!
Dort, mit leichten Schritten,
Jene goldne Quitten
In den Landhof trägt!

Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben,
Zwischen hohen Reben,
Auf dem Hut von Stroh!

Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz.

NOVEMBER

Das Gewitter – H. J. Breiter

Mir schien, als ich gen Himmel sah,
Ein Ungewitter drohend nah’.
Die Luft war schwül und finster, schwer
Hing über mir ein Wolkenmeer.
Schon sah ich bang’ der Blitze Sprüh’n,
Der Wolken schwarze Nacht durchzieh’n.
Schon hört’ ich, wie des Donners Groll
Von Ost nach Westen dröhnend scholl.
Und bange schaut’ ich rings umher,
Ob nirgends eine Zuflucht wär’.
Da hauchte sanft ein Windchen drein,
Und blies den Himmel wieder rein.
Und strahlend zog am Himmels Plan,
Die Sonne wieder ihre Bahn.
Verbirgt sich einst dein Sonnenlicht,
Dann, armes Herz, verzage nicht.
Wenn dir ein Ungewitter droht,
So schwarz es sei, vertraue Gott.
Schnell ist, haucht Seine Liebe drein,
Dein Lebenshimmel wieder rein.

DEZEMBER

Dezember – Karl Röttger

Des Wunders lächelnd staunend, das geschah,
Stand ich am Morgen leise fröstelnd, sah
Die Heide blitzend, funkelnd, übersät;
Als die Dezembersonne mild und spät
Hinter den Kiefern aufstieg … Silberblinken,
Glitzern und Blitzen aller Nähe, Weite
Im Winterlicht … Und bronzen ein Geläute
Vom Dorf her: – Morgenglocken; – und ein Winken
Des Horizontes blauzart; fernklar, fein:
Wie hingehaucht. Und eine Stille dann
Fing durch das Strahlende zu wandern an,
Und fand auf weißen Wegen sich allein. …
O, ganz allein.